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WUCC 2010: Im Osten nichts neues

veröffentlicht um 13.07.2010, 08:49 von Sylwester P.   [ aktualisiert: 30.10.2010, 23:57 ]
Das Runde muss ins eckige. So einfach das Spielprinzip, so aufregend die Ausführung. Das ist beim Ultimate Frisbee nicht anders als beim Fußball. Während die Welt letzte Woche gebannt nach Südafrika zur Fußballweltmeisterschaft schaute, galt mein ganzes Interesse einem ähnlichem Ereignis in Tschechien. In Prag nämlich traffen sich 136 Vereine aus 37 Nationen um herauszufinden wer am besten ein rundes Stück Plastik in die eckige gegnerische Endzone befördern kann. Ich als Frisbeeverrückter konnte mir die WUCC (World Ultimate Club Championchips) vor der Haustür natürlich nicht entgehen lassen und bin hingetuckert. Mit maximal 80 km/h in einem Hippie VW-Bus wurde allein schon die Anreise zum Erlebnis. Ein Frisbeepärchen aus Frankfurt war so nett mich in Nürnberg aufzugabeln und nach Prag mitzunehmen. Um 21.00Uhr fuhren wir los. Um 02:00Uhr kamen wir an. Um 03.30 war ich endlich im Bett und um 07:30 bereits an den Feldern um den Open Halbfinalteams beim Aufwärmen zuzuschauen. Ich hatte mir sagen lassen, dass man sich vom Aufwärmtraining der Topteams ne Menge Übungen abschauen kann und ich wurde nicht enttäuscht. Erwartet also allerhand neue Übungen wenn ich das nächste mal Training halte :-)


Seattle Sockeye beim aufwärmen :-)


Wer hat nun die Weltmeisterschaften gewonnen?

Es war keine Überraschung, dass die Erfinder des Spiels -  die Amerikaner - mal wieder in allen Divisionen (Open, Women, Mixed, Masters) gewonnen haben. Sie gewinnen immer. Die einzigen Vereine die den Amerikanern wirklich Paroli bieten können, kommen aus Kanada und Japan. Teams aus diesen Nationen haben es jedenfalls schonmal geschafft den amerikanischen Teams einen Titel abzunehmen (Erwähnenswert ist auch, das Schweden 1992 mal Weltmeister war. Das lag aber daran, dass die Amis nur ein B-Klasse PickUp Team zu den Weltmeisterschaften schickten).
Der Leistungsabstand zwischen diesen großen Drei und dem Rest der Welt ist rießig. Im Viertelfinale wurde das Beste europäische Openteam - Viksjöfors IF Ultimate aus Schweden - von der japanischen Mannschaft BuzzBullets 17-5 geklatscht. Das beste deutsche Team, die Feldrenner aus Mainz, wurde vom späteren Weltmeister Revolver aus San Francisco in der Gruppenphase mit 17-6 abgefertigt. Auch sonst schaffte es kaum ein Team gegen eine amerikanische Mannschaft eine zweistellige Punktzahl zu erreichen.

Die Sieger im Überblick:
Open: San Francisco Revolver
Women: San Franciso Fury
Mixed: (All over the Midwest USA) Chad Larson Experience
Masters: (All over the Westcoast) Troubled Past



So sehen Sieger aus: In der Open Division holten sich Revolvber aus San Francisco (dunkelblau) Gold. Silber ging an Seattle Sockeye (weiß). Die BuzzBullets aus Tokyo holten sich Bronze (blau).

Warum dominieren die USA so sehr?

Was soll man groß sagen: Sie sind schneller, größer, taktisch geschulter und die besseren Werfer. Ihr Wille zu gewinnen ist ebenso herausragend. Diese Spieler kämpfen um jede Scheibe, als ob es der letzte Tropfen Wasser auf der Erde wäre. Für die Zuschauer ist das einfach nur geil anzusehen. Wenn man so unbedarft neben dem Feld steht und zum ersten mal sieht wie einer auf Schulterhöhe an einem vorbeisegelt um noch nen blödes Stück Plastik zu fangen, stockt einem erstmal der Atem, die Spucke bleibt einem weg, da ist man platt wie ein Pfannkuchen!

Flieg, Baby Flieg!
Photo: Dave Sanders



Das Ende der US-Dominanz ist nicht in Sicht. Dafür müssen die Frisbeegemeinden in anderen Ländern einfach erstmal viel größer werden. Umfragen zufolge gibt es in den USA mehr als 5 Millionen Spieler. Zum Vergleich: Es gibt zwar keine verlässlichen Zahlen darüber, wieviele Spieler es in Deutschland gibt, aber Schätzungen vom DFV (Deutscher Frisbeesportverband) sagen, dass es ca. 3000 sind. Dementsprechend ist die Leistungsdichte hier einfach nicht hoch genug um mithalten zu können.


Wie haben die deutschen Mannschaften abgeschnitten?
Dazu ein Bericht von Deutschen Frisbeesportverband: http://www.frisbeesportverband.de/news/index.php?nid=1168940040

Ein paar Worte zur Mixed Division:
Taktisch und werferisch gesehn ist mixed zu spielen ein wenig anspruchsvoller als reingeschlechtlich zu spielen (ich weiß es ist ein doofes wort, aber mir fällt nix besseres ein). Man muss seine Würfe zum Beispiel viel stärker  an seine Receiver anpassen, da die Bandbreite an Fangfenstern größer ist. Viele Mannschaften machen es sich aber "einfach", und benutzen einfach vermehrt die Männer um zu werfen und zu punkten. Die Statistik der Playoffs (1st-16th) zeigt es deutlich: Unter den 10 besten Punktejägern ist nur eine Frau (Platz neun). Bei den Topassistgebern muss man sogar bis auf Platz 26 schauen, um die erste Frau zu entdecken.

Ein paar Worte noch zum Spirit of the game:
Die Livestreams von den Spielen des Tages ließen mich schlimmes befürchten. Die Spiele waren einfach grauenhaft anzusehen. Jeder Spielzug wurde gefühlte 1000mal unterbrochen durch Foul-, Pick- oder Travelcalls. Bei solchen Spielen vertehe ich nur zu gut, dass viele Spieler die Einführung von Schiedsrichtern fordern. Die Spiele hingegen die ich auf der WM live gesehen habe waren alle ultrageil. Im Halbfinale Seattle Sockeye gegen Atlanta Chainlightning gab es nicht mehr als 10 calls während des gesamten Spiels. Spielen mit 14 Schiedrichtern auf dem Platz kann wunderbar funktionieren, man muss es nur wollen.

Weiteres:
Die Spiele des Tages und die Finalspiele kann man sich noch bis ca. Ende August im Stream anschauen. Die meisten Spiele sind jedoch gähnend langweilig. Wirklich geil ist aber das Frauenfinale. Eins der besten Spiele, die ich je gesehn habe.
http://www.strizna.cz/sekce/frisbee-world-ultimate-club-championships-2010-210-0.aspx

Alle Ergebnisse der WM sind hier abrufbar:
http://scores.wucc2010.com/?view=frontpage&selseason=WUCC2010

Ansonsten: Prag ist ein schönes Fleckchen Erde.
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